Entstehung

„Wasser marsch“ für den Neubau der Feuerwehr in Kitzingen am Main.

Nach langen Jahren der Suche nach einem geeigneten Grundstück für den Feuerwehrneubau fiel die Wahl letztendlich auf den geeignetsten Standort,          nämlich den der alten Feuerwehr direkt am Ufer des Maines vor historischer Stadtkulisse. Um so schwieriger wurde natürlich die Aufgabe für die Architekten, Techniker und Stadtentwickler, aber auch um so reizvoller. Die Herausforderung war sehr groß und sie wurde architektonisch mit Bravour gemeistert.

Aber bei einem Feuerwehrneubau ist die Architektur natürlich nicht Selbstzweck. Eine Feuerwehr ist grundsätzlich ein reiner Zweckbau, der technisch perfekt geplant werden und funktionieren muß. Aber eine wie hier gelungene Symbiose aus Architektur und Zweckbau bzw. Technik, die auch noch Belange der  Stadtentwicklung berücksichtigt, ist natürlich ein städtebaulicher Höhepunkt,          der entsprechende Würdigung verdient. Und es ist auch höchste Zeit, den hohen Stellenwert unserer Kitzinger Freiwilligen Feuerwehr auch durch die Art ihrer Unterbringung zu unterstreichen.

Der selbstlose Einsatz verlangt unseren Feuerwehren überall großes Engagement ab. Will eine Feuerwehr aber Optimales leisten, und zwar auf Dauer, so müssen auch die Technik und die fachgerechte Unterbringung stimmen. Für die fachgerechte          Unterbringung wurde nun Sorge getragen.

Das neue Feuerwehrgerätehaus entspricht räumlich den gewünschten und gestellten  Anforderungen, ist modern und funktionsgerecht eingerichtet und bietet alle Voraussetzungen, um den Erwartungen voll und ganz gerecht werden zu          können.

So wünsche ich mir von unseren Mitbürgern weiter wachsendes Interesse für unseren Feuerwehrneubau als Zeichen der Solidarität mit ihrer Feuerwehr sowie darüberhinaus wachsendes Interesse für weitere vergleichbare städtebauliche Gestaltungsmöglichkeiten in unserer Stadt. Unserer Feuerwehr wünsche ich          gleichzeitig Glück und Segen in ihrem neuen Domizil, damit in unserer Stadt nichts anbrennt.

Dr. Erwin Rumpel

Oberbürgermeister

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 Was lange währt – wird endlich gut

Die 133 Jahre alte Freiwillige Feuerwehr der Stadt Kitzingen bekommt nach 20jähriger Überlegungs- und Planungsphase sowie nach gut zweijähriger Bauzeit ein neues Gerätehaus.

Am bisherigen Standort in der Landwehrstraße ist ein neuer Baukörper entstanden, in dem die gesamte technische Ausrüstung mit allen Fahrzeugen sowie Verwaltungs- Schulungs- und Lagerräume untergebracht sind.

Das alte Feuerwehrhaus

Dieser Neubau war längst überfällig, da die Aufgaben und dadurch auch die Einsätze gewaltig gestiegen sind.

So waren in den 70er Jahren durchschnittlich 60 bis 80 Einsätze pro Jahr zu verzeichnen. In den 90er Jahren stiegen die Einsätze auf 180 bis 190 pro          Jahr. (Anmerkung: Im Jahr 2012 nähert sich die Zahl der 250.)

Die ständig wachsende Stadt braucht eine vielseitige Feuerwehr, die nicht nur „Feuer abwehren“ kann, sondern die auch zur Gefahrenabwehr bei Unfällen (Menschenrettung), zur Minderung von Gefahren im Umweltbereich (Ölunfälle) sowie auch ihren ganz bestimmten Beitrag im vorbeugenden Brandschutz leistet.

Eine technisch gut ausgerüstete Feuerwehr braucht aber auch Kameradinnen und Kameraden, die in der Lage sind, sich den steigenden Anforderungen unseres technischen Zeitalters zu stellen. Alle sollen dabei auch in Zukunft noch „Für und mit den Menschen“ arbeiten.

Die Freiwillige Feuerwehr dankt allen, die den Neubau mitgeplant und selbst an diesem Werk mitgearbeitet haben. Dank zu sagen ist dem Oberbürgermeister und dem gesamten Stadtrat, dem Landkreis Kitzingen und der Regierung von Unterfranken für die vielfältig gewährte Unterstützung und die finanziellen Mittel. Ein besonderer Dank gilt aber allen freiwilligen Helfern von der Feuerwehr.

Wir von der Feuerwehr hoffen, daß dieses Haus mit der darunterliegenden Parkgarage und dem viel diskutierten Schlauchtrocken- und Übungsturm für viele Jahre den technischen Herausforderungen und den damit sich ständig ändernden Einsatzformen gerecht wird.

Allen Freiwilligen wünsche ich, daß sie in diesem neuen Haus mit Freude „retten, löschen, schützen und bergen“, damit wir auch noch im nächsten Jahrtausend „Gutes erhalten, Neues gestalten und Brauchbares weitergeben“ können.

Unser allseits bekannter Wahlspruch möge uns allen jetzt und in der Zukunft die Kraft geben:

Gott zur Ehr,

Dem Nächsten zur Wehr.

Einer für Alle,

Alle für Einen

Rudolf Stöckinger

Stadtbrandinspektor

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Wie ein großes Containerschiff liegt der langgestreckte Baukörper an der Kaimauer des Maines. Der 26 m hohe verglaste Turm wirkt wie ein Schiffsmast mit          Aussichtsplattform und den Blick mainaufwärts gerichtet. Die Formen und die Geometrie des Baukörpers wecken unwillkürlich Assoziationen an einen Schiffskörper, was durch die Verwendung von bullaugenförmigen Rundfenstern noch unterstrichen wird. Diese Bullaugen sind auch tatsächlich hochwasserfeste Fenster aus Hamburg.  Und ein Hochwasser kann am Main nicht ausgeschlossen werden. Ein hochwassersicheres Schiebetor wirkt wie die          Öffnung einer Kanalfähre nach England.

Spätestens wenn die roten Feuerwehrautos zusammen mit der uniformierte Freiwilligen Feuerwehr ausrücken wird klar, daß es sich hier um kein Trockendock handelt, sondern um das neue Feuerwehrgebäude mit öffentlicher Parkgarage          der Stadt Kitzingen am Main. Architektur pur.

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Die Standortentscheidung

Die Entscheidung für den richtigen Standort für den Neubau der Feuerwehr in Kitzingen am Main fiel am 05.12.1991. Dieser Entscheidung ging ein langer  Entscheidungsprozeß voraus, der bis 1983 zurückreicht. Die Diskussion über den Feuerwehrneubau reicht sogar bis 1976 zurück. Drei  Standorte standen bei der endgültigen Abwägung zur Entscheidung an:

  1. Der bisherige Standort an der Landwehrstraße,
  2. Das Gelände neben dem neuen Bauhof in der Äußeren Sulzfelder Straße /          Westtangente und
  3. Das Gelände im Stadtteil Etwashausen an der  B 8.

Standorte für das neue Feuerwehrhaus

Der Entscheidung lag die Auffassung zugrunde, daß die mit dem Neubau an dem Standort am Main verbundenen Probleme, insbesondere im Hinblick auf die          Hochwasserproblematik lösbar seien und mögliche städtebauliche Bedenken          zurückgestellt werden können, wenn mit der Standortentscheidung weitere städtebauliche Vorgaben verbunden seien. Diese Vorgaben bezogen sich darauf, daß die bauliche Gestaltung des Neubaus mit Rücksicht auf die mainseitige Stadtansicht architektonisch anspruchsvollen Forderungen genügen müsse und die gesamte Mainpartie zwischen Alter und Neuer Mainbrücke entsprechend den Forderungen der Regierung von Unterfranken zur unmittelbar betroffenen, angrenzenden städtebaulichen Sanierungsmaßnahme „Umfeld Sanierung Alte Synagoge“ unter Berücksichtigung  des Feuerwehrneubaus planerisch neu zu          überarbeiten sei.

In diesem Zusammenhang wurde deshalb auch beschlossen, die für die „Umfeldgestaltung Alte  Synagoge“ vorgesehene Ausschreibung eines          Architektenwettbewerbes um die Planung des Feuerwehrgerätehauses zu erweitern

Darüberhinaus wurde zeitgleich die Firma K-plan beauftragt, zur Vorbereitung dieses vorgesehenen Wettbewerbes eine entsprechende Grundlagenermittlung durchzuführen und einen skizzenhaften Vorentwurf mit Massenmodell im Maßstab 1 : 500 anzufertigen. Die Grundlagenermittlung sollte sich auch auf das gesamte          Raum- und Ausführungsprogramm einschließlich  technischer Ausrüstung der Feuerwehr unter Abstimmung mit der Regierung von Unterfranken und dem          Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz beziehen und der Entwicklung eines Vorentwurfs aus dem Raumprogramm mit zeichnerischer Darstellung der          vorgesehenen planerischen Lösungen.

Im August 1992 konnten dann die Entwürfe für den Neubau der Feuerwehr sowie der Kriterienkatalog für den städtebaulichen Ideenwettbewerb vorgestellt und in den Ideenwettbewerb eingearbeitet werden. Im 0ktober 1992 wurde die Ausschreibung des städtebaulichen Ideenwettbewerbs beschlossen. Die Auslobung fand am 15.12.1992 statt, als Abgabetermin war der 20.03.1993 vorgesehen.

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Die Wettbewerbsaufgabe

Ideenwettbewerb Mainuferbereich – Umfeld Alte Synagoge – mit Realisierungswettbewerb Neubau  Feuerwehrgebäude (gekürzte Wiedergabe des          Ausschreibungstextes).

Anlaß und Ziel des Wettbewerbes

Die Stadt Kitzingen hat im Rahmen der städtebaulichen Neuordnung der Innenstadt, verbunden mit der Verkehrsplanung für die gesamte Stadt, seit Jahren umfangreiche Vorarbeiten geleistet. Unter anderem wurden vorbereitende Untersuchungen und ein städtebaulicher Rahmenplan für die Altstadt erstellt sowie zwei Teilbereiche als Sanierungsgebiet förmlich festgelegt. Wesentliche Teile sind bereits realisiert.

Durch den Umbau der ehemaligen Synagoge zu einem Kulturzentrum einerseits und durch die jetzt politisch getroffene Entscheidung, die Feuerwehr an ihrem          Standort zu belassen und dort den Neubau zu planen andererseits, ist es notwendig geworden, sich über die detaillierte Entwicklung und Gestaltung des gesamten Bereichs zwischen Alter Mainbrücke und Konrad-Adenauer-Brücke Klarheit zu verschaffen. Der jetzt ausgelobte Wettbewerb soll helfen, die unterschiedlichen Probleme in diesem Bereich zu lösen. In erster Linie geht es um die behutsame          Plazierung der Feuerwehrgebäude im Mainauenbereich. Für die Gestaltung der im folgenden ausführlich dargestellten Teilbereiche öffentlicher Räume – Mainufer mit Mainaue, Landwehrplatz und Landwehrstraße und Schrannenstraße sollen Ideen gefunden werden, die dann in nachfolgenden Arbeitsschritten überarbeitet und vertieft werden müssen.

Situation

Funktion der Altstadt – Probleme

Die Große Kreisstadt Kitzingen ist im Landesentwicklungsprogramm als Mittelzentrum ausgewiesen. Die Stadt soll insbesondere in der Wahrnehmung ihrer Versorgungsaufgaben für den östlichen Teil der Region Würzburg gestärkt werden. Hierzu zählen u. a. die Fortführung der Sanierungsmaßnahmen, die weitere Attraktivitätssteigerung der Innenstadt durch Ausbau des Dienstleistungsbereichs und Verkehrsberuhigung sowie die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse durch den Bau von Tangentenstraßen und neuen Mainüberquerungen.

Der ältere Stadtkern bildet zugleich den Schwerpunkt des Kitzinger Einkaufsbereichs mit der Kaiserstraße und der Fußgängerzone in der Marktstraße. In der nördlichen Altstadt um die Kaiserstraße konzentrieren sich zudem die wichtigsten öffentlichen Einrichtungen wie Rathaus, Landratsamt, Schulen, Post sowie Kirchen beider Konfessionen.

Diese Konzentration von besucherintensiven Einrichtungen führt zu einer starken Belastung der Altstadt durch fließenden und ruhenden Verkehr. Das Verkehrskonzept sieht daher langfristig eine Herausnahme des Durchgangsverkehrs aus der Altstadt durch die Anlage eines Tangentenrings (West-, Süd- und Nordtangente) sowie den Bau zweier zusätzlicher Mainbrücken (zur Entlastung der Alten Mainbrücke vom motorisierten Verkehr) vor. Der Bau der Westtangente und Südbrücke ist abgeschlossen.

Ergänzend hierzu sollen Parkierungsschwerpunkte in günstiger Lage zu den Altstadtzubringern / Stadttangenten bzw. zum Einkaufs- und Dienstleistungszentrum in der Altstadt geschaffen werden. Eine Tiefgarage mit 146 Stellplätzen ist in Zusammenhang mit dem Sparkassenneubau zwischen Herrnstraße und Schweizergasse fertiggestellt worden. Eine weitere Tiefgarage an der Alten Poststraße soll in günstiger Lage zur Nordtangente bzw. zum Verteiler Hindenburgring-Nord einen Schwerpunkt für die nördliche Altstadt bilden.

In diesem Zusammenhang wird überlegt, die Parkplätze am Mainufer aufzugeben, zumindest aber stark zu reduzieren und den Mainauenbereich in eine großzügige Grünanlage mit Aufenthalts- und Spielbereichen und anderen freizeitorientierten Einrichtungen umzugestalten.

Wettbewerbsgebiet

Lage

Das Wettbewerbsgebiet befindet sich am östlichen Rand der Kernstadt und erstreckt sich von der Alten Mainbrücke im Norden bis zur Konrad-Adenauer-Brücke im Süden. Im Osten begrenzt der Main, im Westen die westliche Gebäudezeile des Straßenzuges Schrannenstraße – Landwehrplatz und Landwehrstraße den Bereich.

 

Lage des neuen Feuerwehrhauses

Vor allem im Süden des Wettbewerbsgebietes befinden sich öffentliche Einrichtungen wie Museum/Stadtarchiv, Feuerwehr, Polizeistation, Kindergarten, Jugendhaus und Alte Synagoge..

Verkehr

Im Wettbewerbsgebiet befindet sich eine große Zahl von öffentlichen Stellplätzen:

– etwa 150 Stellplätze am Mainufer

– etwa 20 Stellplätze auf dem Landwehrplatz und

– etwa 70 Stellplätze auf der Ostseite der Schrannenstraße.

Die Gestaltung dieser Flächen ist Gegenstand des Wettbewerbs.

Baustruktur

Das Wettbewerbsgebiet ist geprägt durch überwiegend zwei- bis dreigeschossige, zumeist traufständige Gebäude, die in der Regel Sattel- in Einzelfällen auch Walm- bzw. Mansardendächer aufweisen.

Der östlichen Gebäudezeile sind zur Mainseite hin zahlreiche kleine Anbauten und Gebäudeerweiterungen angefügt worden, meist eingeschossig mit flachem Dach. Die Anbauten enthalten zum Teil zusätzlichen Wohnraum, zum Teil Abstellräume, in den meisten Fällen sind es jedoch Garagen. Die Dächer dieser Anbauten werden oft als Terrassen oder Balkone genutzt (Geländesprung zwischen Schrannenstraße / Landwehrstraße und Mainauenbereich).

Neben den eher kleinteiligen Wohn- bzw. auch Wohn- und Geschäftsgebäuden gibt es eine Reihe großvolumiger Gebäude, in denen in der Regel öffentliche Nutzungen untergebracht sind.

* Das Polizeigebäude, ein langgestreckter zweigeschossiger Baukörper aus der Barockzeit mit einem Knickwalmdach. Es markiert den südlichen Abschluß des Landwehrplatzes.

* Das ehemalige städtische Krankenhaus am Ende der Landwehrstraße, ein um die Jahrhundertwende errichteter zwei- bis dreigeschossiger Bau, mit Arztpraxen, Wohnungen, Büroräumen und einer Apotheke.

* Gegenüber befindet sich das städtische Museum/Archiv in einem langgestreckten zweigeschossigen Gebäude mit einem mächtigen Walmdach. Das Gebäude war ursprünglich Rentamt und dann Schule. Der Seitenflügel – von der Feuerwehr genutzt – ist ein späterer Anbau. Er wird nach Fertigstellung des Feuerwehrneubaus abgerissen.

* Die ehemalige Synagoge am Landwehrplatz – erbaut 1882/83 – wurde 1938 zerstört. Ein Umbau zu einem Kriegsgefangenenlager erfolgte 1942. Nach dem Krieg wurde sie als Werkstatt genutzt. Sie ist als „Alte Synagoge“ äußerlich in ihrer ursprünglichen Form wieder hergestellt. Das Innere ist zu einem Kulturzentrum / Veranstaltungs- / und Konzertraum mit etwa 320 Plätzen umgestaltet.

* Im Mainbereich befinden sich das Gebäude der städtischen Kfz-Werkstatt – ein Zweckbau mit Flachdach aus den 60er Jahren – sowie ein älteres sehr schmales, langgestrecktes Gebäude, das heute gewerblich genutzt wird. Beide Gebäude sollen im Zuge des Feuerwehrneubaus abgerissen werden.

Stadtbildstörend wirken die Anbauten und Erweiterungen zur Mainaue, die – in der Regel lieblos gestaltet – das Erscheinungsbild der ehemaligen Stadtkante stark beeinträchtigen. Die sehr störend wirkenden Gebäude der Feuerwehr und der Kfz-Werkstatt werden, wie schon gesagt, im Zuge des Feuerwehrneubaues abgerissen.

Besitzverhältnisse

Die Stadt Kitzingen verfügt im Wettbewerbsgebiet über den Großteil der umzugestaltenden Flächen. Im Mainauenbereich und auf dem Gelände von heutiger Feuerwehr/Werkstatt gibt es kein fremdes Grundstückseigentum.

Planungen

Für die gesamte Kitzinger Altstadt stellt der Flächennutzungsplan zur Zeit gemischte Bauflächen (M) nach § 1 Abs. 1 BauNVO dar.

Wettbewerbsprogramm

Das Wettbewerbsprogramm umfaßt die Neugestaltung des öffentlichen Raumes in drei Teilbereichen sowie die detaillierte Planung neuer Feuerwehrgebäude in der Mainaue.

Neugestaltung des öffentlichen Bereiches in drei Teilbereichen

Das Wettbewerbsgebiet gliedert sich in drei ihrer Funktion für die Altstadt

unterschiedliche Teilbereiche

* das eigentliche Mainufer

* den Bereich Landwehrplatz und Landwehrstraße

* den Bereich Schrannenstraße

Teilbereich Mainufer

Feuerwehr

Im Gutachten des städtebaulichen Rahmenplanes für die Altstadt war gefordert worden, einen neuen Standort für die Feuerwehr zu suchen, um die damit freiwerdende Mainaue in einen großzügigen Grün-.und Aufenthaltsbereich umgestalten zu können. Die Innenstadt hätte mit dieser Maßnahme ihre historische klare Stadtkante wieder erhalten und der Bezug zum Main hätte sehr deutlich formuliert werden können.

Die lange Suche nach einem Ersatzstandort und die vielen Gespräche mit der Feuerwehr haben letztendlich zu keinem Erfolg in dieser Richtung geführt. Die Frage ist jetzt politisch entschieden worden. Die Feuerwehr bleibt an ihrem jetzigen Standort und erhält dort einen Neubau. Es gilt nun, die Feuerwehrgebäude – unter Berücksichtigung aller städtebaulichen und technischen Aspekte – behutsam in den Mainauenbereich einzufügen, ohne die Vorstellungen des städtebaulichen Rahmenplanes (siehe oben) zu stark zu beeinträchtigen. Genauere Angaben und Programmvorstellungen für diese Aufgabe finden sich nochfolgend.

Stellplätze

Es besteht die Absicht, die direkt am Mainufer liegenden öffentlichen Parkplätze schritt- und abschnittweise langfristig ganz aufzuheben. Lediglich ca. 80 für die Anwohner notwendigen Stellplätze sollen – zur Stadtkante orientiert – erhalten werden.

„Unterer Mainkai“

Die Straße „Unterer Mainkai“, die in erster Linie die Stellplätze am Main erschließt, ist in ihrer jetzigen Lage und Dimensionierung so nicht mehr erforderlich. Notwendig ist lediglich eine Erschließung der Anwohnerstellplätze und eine hintere Andienung der Gebäudezeile an Landwehrplatz und Schrannenstraße – insbesondere die Erschließung der vielen Garagen.

Spielplatz

Der Spielplatz hinter der ehemaligen Synagoge sollte verlegt werden, um für das Kulturzentrum Alte Synagoge ein angemessenes Umfeld gestalten zu können.

Neubau der Feuerwehrgebäude

Der Neubau der Feuerwehrgebäude ist zum einen unter städtebaulichen und zum anderen unter feuerwehrspezifisch-technischen Aspekten zu sehen.

Städtebauliche Aspekte

– Behutsame Eingliederung der Gebäude in den Mainauenbereich

– Berücksichtigung der alten Stadtkante, insbesondere Beachtung dreier bedeutender Gebäude – Museum/Stadtarchiv, Turm der alten Befestigungsanlage und Alte Synagoge. Alle drei Gebäude stehen unter Denkmalschutz

– Gliederung der „Baumasse Feuerwehr“ entsprechend der Kleinteiligkeit des Umfeldes

– Wahrung der Dominanz von Museum/Stadtarchiv und Alter Synagoge

– In Richtung Main darf die heutige Bauflucht nur unwesentlich überschritten werden – Forderung des Wasserwirtschaftsamtes

Feuerwehrspezifisch-technische Aspekte

– Gesamtkonzeption

– Von Seiten der Feuerwehr besteht der Wunsch, alle Funktionen im Feuerwehrbereich möglichst kompakt und schnell erreichbar angeordnet zu ha-ben.

– Zu- und Abfahrt

– Die Hauptausfahrt der Feuerwehreinsatzfahrzeuge muß auf die Landwehrstraße gerichtet sein. Außerdem muß eine Notausfahrt geschaffen werden für den Fall, daß die Hauptausfahrt blockiert ist. Darüberhinaus muß eine Einfahrt für ankommende Feuerwehrleute geschaffen werden und zwar zu den von diesen zu besetzenden Parkplätzen. Von diesen Stellplätzen müssen 20 in unmittelbarem Zusammenhang mit der Fahrzeughalle stehen. Weitere 50 können im öffentlichen Bereich an einer anderen Stelle untergebracht werden, aber auf jeden Fall so angeordnet, daß kreuzungsfrei zu den ausrückenden Fahrzeugen geparkt werden kann.

Fahrzeughallen

– Vor den Fahrzeughallen muß (Wendekreis für Übungen) eine Stellfläche von wenigstens 20 m gewährleistet sein. Im EG muß zwingend eine Fläche von 130 qm untergebracht werden, 720 qm für die Fahrzeughallen, 195 qm für Wasch- und Pflegehalle, 60 qm für Zentrale und Peripherie und 80 qm für einen Wartungsbereich incl. Handlager. Flächenangaben der Einzelbereiche beziehen sich auf die Netto-Grundrißfläche. OKF Fahrzeughalle sowie Ein- und Ausfahrt muß hochwasserfrei sein, d. h. mindestens über plus 185,67 NN liegen.

Feuerwehrturm

– Der Turm muß von Oberkante Fußboden Schlauchwäsche, die im Keller oder auch im EG untergebracht werden kann und 26 m lang sowie 3,50 m breit ist, wenigstens in der Höhe 23 m aufweisen. Der Turm hat eine zwingende Grundfläche nach DIN von 16 qm.

– Der Turm muß außerdem so angeordnet sein, daß unmittelbar davor eine entsprechende Übungsfläche für Drehleiterfahrzeuge vorhanden ist. Er kann nicht im Bereich der Fahrzeughallen und insbesondere nicht zwischen Einsatzzentrale und Fahrzeughalle stehen. Er muß, da er als Trockenturm dient, in unmittelbarem Zusammenhang mit der Schlauchwäsche bzw. deren Kopfende angebracht werden (siehe Systemzeichnungen).

Feuerwehrwohnungen

– Eingliederung von 1 – 2 für die Feuerwehr vorgesehenen Wohnungen, wenn möglich im oberen Geschoß unterbringen – getrennte Erschliessungsbereiche.

Zusammenstellung der Geschoßflächen (Nettogrundrißfläche) für die einzelnen Funktionsbereiche.

– Feuerwehrtechnische Planungsrichtlinien für den Bau von Feuerwehrgerätehäusern, Stand Juni 1983.

Das Wettbewerbsergebnis

Zu dem Ideenwettbewerb „Mainuferbereich – Umfeld Alte Synagoge mit Realisierungswettbewerb Neubau Feuerwehrgebäude“ gingen 52 Arbeiten ein. In der Preisgerichtssitzung vom 20.04.1993 wurde der erste Preis dem Architekten Dipl.-Ing. Ulrich Zimmermann, Häusserstraße 3, 69115 Heidelberg, zuerkannt.

 

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Die Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses

Die Stadt Kitzingen folgte der Empfehlung des Preisgerichtes beim Ideen- und Realisierungswettbewerb im Teilbereich „Neubau Feuerwehrgelände“ am          25.05.1993 und beauftragte das Architekturbüro Ulrich Zimmermann mit der weiteren Planung für den Teilbereich Feuerwehr. Parallel dazu wurde auch der          Idee der öffentlichen Parkgarage mit 115 Stellplätzen unter dem Feuerwehrgelände grundsätzlich zugestimmt. Der Maßnahmebeschluß folgte am 16.09.1993. Die Baugenehmigung für den Neubau des  Feuerwehrgebäudes und der Parkgarage wurde am 16.12.1993 erteilt. Der Erläuterungsbericht zum Bauantrag faßt das Vorhaben noch einmal anschaulich zusammen.

„Die Große Kreisstadt Kitzingen beabsichtigt   im innenstadtnahen Mainuferbereich ein Feuerwehrgerätehaus zu errichten. Die an dieser Stelle stehenden Bauten, zum Teil leerstehend, zum Teil der Feuerwehr in provisorischer Weise dienend, werden abgebrochen. Der aus dem Wettbewerb ,Mainauenbereiche / Feuerwehrgebäude‘ hervorgegangene Entwurf sieht ein langgestrecktes, eingeschossiges Gebäude mit 11 Fahrzeugständen und einer Wasch- und Pflegeeinheit sowie die zugehörigen Lager, Bereitschafts-, Schulungs- und Verwaltungsräume vor. Die Höhenlage der Feuerwehr ist mit 185,70 m ü. NN im hochwasserfreien Bereich festgelegt. Der          Abstand zur historischen Stadtkante ist durch den 20 m tiefen Übungsplatz sowie einen 4 m tiefen Baumstreifen definiert.

Kubatur und Materialwahl unterstützen ein bewußt bescheidenes Erscheinungbild, um nicht mit der historischen Stadtkante und ihrer Synagoge als Mittelpunkt zu konkurrieren. Die z. T. titanzinkgedeckte, z. T. begrünte Dachlandschaft, das ruhige, gleichförmige Erscheinungbild der holzbeplankten Fahrzeughalle und die lineare Struktur der langgestreckten Fensterbänder finden ihr Motiv in der zurückhaltenden Andersartigkeit gegenüber der historischen Bebauung.

Grundriss Feuerwehrhaus

Der Schlauchturm ordnet sich als technisches Bauwerk dem Bereich der Konrad-Adenauer-Brücke zu, seine Erscheinungsform als begrünter Stahlbetonturm          beläßt ihn jeglicher Konkurrenz zu den Synagogentürmen unverdächtig.

Seitenansicht

Im Untergeschoß sind neben Funktions- und Lagerräumen der Feuerwehr 115 Stellplätze in einer hochwasserdichten Parkgarage untergebracht. Im Verein mit 26 Stellplätzen im Mainauenbereich ergibt sich hierdurch die Chance zu einer umfassenden Neuordnung des Mainuferbereiches sowie des nahen          Landwehrplatzes. Desweiteren können hier Stellplätze für die nahe Synagoge          nachgewiesen werden.

Das Untergeschoß erscheint von der Mainseite als Ufermauer. In Sichtbeton ausgeführt soll sie begrünt werden, so daß ihr Erscheinungsbild an die in der Region häufigen Weinterrassen erinnert.

Der Bereich des Übungsplatzes bedarf in dieser historisch bedeutsamen Gesamtsituation ebenso wie die Fußwege sorgfältiger Pflasterung als Granit-          bzw. Klinkerpflaster. Baumpflanzungen zwischen Museum und Feuerwehr sollen die historische Stadtkante betonen und ergänzen.“

Nach Gratulation, Händedruck und  Auftragserteilung beginnt für den Architekten eine arbeitsintensive und lehrreiche Zeit. 2 Jahre planen,  zeichnen, überzeugen und diskutieren für ein oft unerreichbares Ziel, nämlich alle Wünsche unter ein Dach zu bringen und trotzdem Architektur herzustellen. In Kitzingen am Main ist es gelungen, die Qualität des Wettbewerbsentwurfes zu erhalten, in manchen Punkten sogar zu verbessern und den Grundriß klar strukturiert zu lassen.

Zu einem guten Bau gehört ein guter Entwurf, eine funktionierende Bauverwaltung und ein Bauherr, der bewußt bereit ist, dem Architekten die gestalterische Kompetenz zuzubilligen. Und mitunter wird dem Architekten das höchstmögliche Lob zuteil: Das Schweigen der Kritiker. So wird das „Feuerwehrschiff“ lange Zeit in Kitzingen vor Anker liegen. Das freut den Bauherrn und den Architekten.

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Die Ausführung

Nach Freigabe des „vorzeitigen Baubeginns“ durch die Regierung von Unterfranken begannen am 24.08.1994 die Abbrucharbeiten des alten Gerätehauses. Am 14.          November 1994 erfolgte der 1. Spatenstich für die neue Feuerwehr und die öffentliche Parkgarage durch Oberbürgermeister Dr. Rumpel, Architekt Ulrich Zimmermann und Stadtbrandinspektor Rudolf Stöckinger. 12 Monate später konnte am 23. November 1995 Richtfest gefeiert werden. Eine enorme Leistung aller beteiligten Firmen wenn man bedenkt, daß die Baustelle im Januar des gleichen Jahres noch im Hochwasser stand.

In Zusammenarbeit mit den Fachingenieuren mußten folgende Probleme gelöst werden:

  • Bauen auf unbebaubarem Grund.
  • Bauen im Hochwasserbereich und Bodenplatten am Fortschwimmen hindern sowie Decken unter der Last versammelter 30-Tonner am Biegen und Brechen hindern.
  • Tiefgarage lüften, ohne die Nachbarn zu belästigen.
  • 120 Paar gebrauchte Gummistiefel geruchlos verwahren.
  • Beleuchten , bewegen und aktivieren ohne den Überblick zu verlieren.

Planung und Bauleitung:

Ulrich Zimmermann, Architekt, Dipl.-Ing., Häusserstraße  3, 69115 Heidelberg

Tragwerksplanung:

Rüdiger Hacker, Büro für Baustatik, Landfriedstraße 14, 69117 Heidelberg

Versorgungstechnik:

Ingenieurbüro Rosel, Burkardinerstraße 23, 97234 Reichenberg

Elektrotechnik:

Ingenieurbüro Baumann, Am Kapellenweg 27, 97332 Volkach-Gaibach

Baugrundgutachten:

Geotechnisches Institut, Prof. Dr. Magar und Partner, 97084 Würzburg

Gleichzeitig mit dem Richtfest wurde unter dem Feuerwehrhaus die neue Parkgarage in Betrieb genommen, die ab 02.12.1995 der Öffentlichkeit zur Verfügung stand. Die offizielle Inbetriebnahme des neuen Feuerwehrhauses erfolgte 1997.

Eine der größten Baumaßnahmen der Stadt Kitzingen am Main kommt auch in den imposanten  Zahlen zum Ausdruck:

  • 155  Betonpfähle mit insgesamt mehr als einem km Länge verankern den Bau im Muschelkalk am Mainufer.
  • 380.000 cbm Beton, 680 t Stahl und 11.000 qm Schalung sind hier          für die neue Feuerwehr verbaut worden.
  • Ca. 20.000 Arbeitsstunden haben die Handwerker abgeleistet.
  • Die voraussichtlichen Gesamtbaukosten liegen bei 16,1 Mio. DM, davon ca. 5,5 Mio. DM für die öffentliche Parkgarage.
  • Die Zuschüsse für die Feuerwehr mit Parkgarage belaufen sich auf insgesamt ca. 4 Mio. DM.

 

 

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