1. Berufsfeuerwehrtag

Das Hobby zum Beruf machen – dieses Gefühl durften die Angehörigen der Jugendfeuerwehren Kitzingen, Hoheim, Sickershausen und Repperndorf zumindest einmal für 24 Stunden erleben: nämlich beim 1. Berufsfeuerwehrtag.

Nach intensiven Planungen im Vorfeld war es dann am Freitag, 18. Mai 2018 so weit:

Um 16 Uhr fanden sich knapp 30 Jugendliche im Kitzinger Feuerwehrgerätehaus ein, um für 24 Stunden den nachgestellten Alltag einer Berufsfeuerwehr nachzuerleben.
[Anm.: Kitzingen besitzt in der Realität keine Berufsfeuerwehr.]

Nach einer kurzen Ansprache durch die Jugendwarte ging es dann auch schon los: Betten beziehen (in unserem Fall Feldbetten, also nicht ganz so luxuriös wie bei einer BF), Einteilung der Mannschaft auf die Fahrzeuge und anschließende Fahrzeugübernahme, also eine kurze Gerätekunde auf dem jeweiligen Wagen. Und natürlich liesen auch die ersten Einsätze nicht lange auf sich warten, denn kurz darauf ertönte schon der Gong und die eigens eingerichtete „Leitstelle Gimperlein“ alarmierte die Jugendlichen zu einer Tierrettung mittels Drehleiter.

Währenddessen bereitete das Küchenteam das Abendessen vor, sodass die Einsatzkräfte sich bei ihrer Rückkehr über Spaghetti Bolognese freuen konnten. Die Teller waren gerade geleert, da folgte auch schon der erste Großalarm: die Jugendfeuerwehr Mainstockheim hielt ebenfalls ihren Berufsfeuerwehrtag ab und wurde zu einem etwas abgelegenen Landwirtschaftsbetrieb alarmiert, da eine unklare Rauchentwicklung gemeldet wurde. Vor Ort stellten sie einen Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens fest und forderten dementsprechend den Löschzug Kitzingen nach. Dieser machte sich unmittelbar mit den Fahrzeugen Florian Kitzingen 11/1 (ELW), 41/1 (LF 16/12), 30/1 (DLK 23-12), 61/1 (RW), 65/1 (KlaF), 56/1 (Versorgungs-Lkw) und dem Florian Sickershausen 43/1 (LF 10) auf den Weg. Die Kameraden aus Mainstockheim übernahmen den Erstangriff zur Rettung von vermissten Personen aus der verrauchten Scheune. Wir unterstützten anschließend bei der Löschwasserversorgung, dem Löschangriff und der Rettung einer Person aus einem Anhänger mittels Rollgliss und Schleifkorbtrage unserer Drehleiter. Dieser Einsatz machte den Jugendlichen deutlich, wie wichtig eine feuerwehrübergreifende Zusammenarbeit im Alarmfall ist und sie lernten, an großen Einsatzstellen den Überblick zu behalten.

Zurück im Gerätehaus wurden zunächst die Fahrzeuge wieder bestückt, bevor Freizeit angesagt war. Obwohl Einigen die Müdigkeit zu diesem Zeitpunkt schon deutlich anzusehen war, wollte noch niemand schlafen, denn es könnte ja noch ein Einsatz kommen… Doch das wäre ja zu absehbar gewesen – deswegen erfolgte die schon erwartete Alarmierung erst um 00.45 Uhr, als der Großteil tatsächlich schon schlief. Die Befürchtungen bewahrheiteten sich: der Ein oder Andere verschlief tatsächlich, sodass die Ausrückezeit nicht ganz eingehalten werden konnte ;). Der Einsatz führte zur Kitzinger Friedrich-Bernbeck-Schule, wo die automatische Brandmeldeanlage ausgelöst hatte. Nach der Erkundung durch den Angriffstrupp konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. Kein Brandereignis wurde festgestellt und dementsprechend wähnten die Meisten sich im Geiste wohl schon wieder im Bett, als noch an der Einsatzstelle ein Folgealarm hereinkam: eine unklare Rauchentwicklung nahe des Innoparks. Es handelte sich um ein unbewachtes Lagerfeuer, das schnell gelöscht werden konnte, sodass gegen 2 Uhr dann wirklich wieder schlafen angesagt war – bis zum Morgen um 6.30 Uhr, als die ersten Jugendlichen wieder raus mussten. Man hat wohl selten Einsatzkräfte mit derartiger Motivation gesehen, an einem Samstag frühmorgens eine Ölspur zu beseitigen ;).

Nach dem anschließenden wohlverdienten Frühstück ging es weiter zu einem Pkw-Brand im Kitzinger Bauhof, der routiniert abgearbeitet wurde. Danach stand der Frühsport an, schließlich sollte der Tagesablauf an eine echte Berufsfeuerwehr erinnern.

Weitere kleinere Einsätze wie schnelle Türöffnung und Unterstützung des Rettungsdienstes bei der Patientenrettung komplettierten den Vormittag, bevor zur allgemeinen Stärkung selbstgemachte Hamburger verspeist wurden.

Kräftigung war auch nötig, denn die Leitstelle alarmierte zu einem weiteren Großalarm: auf dem Gelände eines Industriebetriebs war ein Gabelstapler mit einem Pkw kollidiert, ein weiteres Auto fuhr infolgedessen in eine Wand, sodass insgesamt vier Personen eingeklemmt waren. Wir machten uns folglich mit den Fahrzeugen Florian Kitzingen 11/1 (ELW + Notfallseelsorge), 62/1 (VRW), 61/1 (RW), 41/1 (LF 16/12), 56/1 (Versorgungs-Lkw), 65/1 (KlaF) und dem Florian Sickershausen 43/1 (LF 10) auf den Weg. Die Besatzung von RW und KlaF übernahmen die Befreiung der Personen aus dem mit dem Gabelstapler kollidierten Auto, die Mannschaft von VRW und dem Sickershäuser LF die der Verletzten aus dem weiteren Pkw, während 41/1 und 56/1 die Logistik, Verkehrsabsicherung und Brandschutz übernahmen. Bei beiden Autos mussten die vorderen Türen heraus- sowie das Dach abgenommen werden, um in Absprache mit dem Rettungsdienst eine patientengerechte Rettung durchzuführen. Trotz der Unterstützung durch aktive Kameraden merkte man allen Jugendlichen die Strapazen der vergangenen Stunden an, dennoch konnten alle Opfer mit vereinten Kräften gerettet werden.

Anschließend ging es zurück ins Kitzinger Gerätehaus, wo alle Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht und alle Sachen wieder zusammengepackt wurden – denn wie im Flug waren die 24 Stunden schon vergangen. Jugendliche und Betreuer waren sich einig: der 1. BF-Tag war ein voller Erfolg.

Dank gilt an dieser Stelle allen Helfern, von Vorbereitung über Betreuung während der 24 Stunden, das Küchenteam, die Leitstelle, Aktive, die sich als Maschinisten und Gruppenführer bereitgestellt haben, allen Firmen, die ihre Gelände für die Einsätze zur Verfügung gestellt haben, allen Sponsoren… schlicht Allen, die ihren Teil zu einem rundum gelungenen Tag geleistet haben.

Text: Jonas Wirth

 

 

 

 

 

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